Frieden sichern heißt verteidigen können- Landes und Bündnisverteidigung neu gedacht Sicherheitspolitischer Vortrag von Kommandeur Papendorf beim Wirtschaftsforum Regen e.V.

Der Landrat hob die enge Freundschaft und Verbundenheit zur Bundeswehr in Regen hervor und wies darauf hin, dass die Bundeswehr in der regionalen Bevölkerung hohes Ansehen und Anerkennung genieße, was ein Ausdruck besonderer Wertschätzung für die Regener Kaserne sei. Der Kommandeur skizzierte die politische Großwetterlage auf der Welt, die Machtzentren hätten sich sehr stark Richtung USA und China verschoben, auch und insbesondere auch aufgrund der wirtschaftlichen Stärke beider Mächte. Aber die Europäische Union sei dabei, aufzuholen, speziell auch was den Verteidigungshaushalt der Staatengemeinschaft angeht, hier ist man mittlerweile auf einem sehr guten Weg. Auch der Freistaat Bayern habe erhebliche Anstrengungen unternommen, sich im Verteidigungs- und Rüstungssektor gut zu positionieren.
Die Zeichen der Zeit seien auch hier erkannt worden, um der volatilen Lage in der Welt gerecht zu werden. Aktuell konzentriere die USA Ihre militärische Präsenz auf den indopazifischen Raum, um zu unterbinden, dass China weiterhin seine Macht ausbauen könne-speziell Richtung Taiwan. Somit müsse Europa insgesamt im Bündnis noch stärker für die eigenen Interessen und Belange einstehen, vor allem im Ukraine Krieg und im Iran-Konflikt. Die Bedrohungslage in Deutschland sei viel heterogener als in der öffentlichen Wahrnehmung angenommen. Diese reiche von Cyberangriffen, Fake News vor allem und insbesondere über Social Media bis hin zu Ausspähung und Sabotage. Vor allem Russland spiele hier eine große Rolle, so der Kommandeur. Signifikant sei etwa, dass nachweislich Cyberangriffe gerade an russischen Feiertagen abrupt in den Keller gingen, was Rückschlüsse auf den Urheber der Angriffe zuließen.
Insgesamt habe es Europa versäumt, frühzeitig die russischen Mittel- und Langfristpläne richtig zu interpretieren und die eigene Strategie darauf anzupassen. Nach der Annexion der Krim im Jahre 2014 habe man noch 8 Jahre „auf die Snooze-Taste gedrückt“, man hat es versäumt, auf die Pläne Russland frühzeitig besser vorbereitet zu sein. Trotz der klaren Indizien, dass Russland sich nicht verteidigen will, sondern primär die Absicht habe, einen Angriffskrieg zu führen und plant, das russische Reich laut Stand um 1914 wieder herzustellen ist das öffentliche Meinungsbild in Deutschland nach wie vor gespalten. Der Kommandeur wies darauf hin, dass in der deutschen Bevölkerung aufgrund von Desinformationspolitik und vorherrschender Verschwörungstheorien oftmals ein anderes Bild von Russland gezeichnet werde, insbesondere über die Social Media Kanäle. Dies berge die große Gefahr einer deutlichen Realitätsverzerrung und ist eine harte Probe für unser aller Demokratiebewusstsein. In der Realität sei die Bedrohungslage durch Russland fühl – und messbar, speziell in den baltischen Staaten. Deshalb leiste die Brigade 45 einen starken Beitrag zur Sicherung unser aller Demokratie an der Nato Ostflanke. Auf die militärische Unterstützung des großen Bruders USA sei man nach wie vor angewiesen, die qualitativen Fähigkeiten seien vor allem im Bereich Satellitenaufklärung und Cyber-Security sehr hoch.
Die EU ist dabei, die Defizite in diesem Bereich zu mildern und sich eigenständig besser aufzustellen, um zukünftig einen noch höheren Beitrag für die eigene Sicherheit leisten zu können. Insgesamt brauche sich die Nato in Punkto Militärischer Truppenstärke vor Russland nicht verstecken. Die Nato verfüge aktuell knapp über 3,4 Millionen Soldaten und rund 3,45 Millionen Reservisten, Russland über 1,3 Millionen Soldaten und rund 2 Millionen Reservisten. Auch in Punkto Kampfpanzer ist die Nato mit einem Verhältnis von rund 11.400 und 4.000 zu Russland deutlich überlegen, auch bei der Luftwaffe von 22.300 zu 4.800. Bei verfügbaren Atomsprengköpfen sieht es jedoch komplett anders aus, hier ist Russland mit einer Stückzahl von 5.580 den europäischen Staaten deutlich überlegen. Hier könne nur die USA als Bündnispartner einen starken Gegenpol leisten. Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Trump, aus der Nato auszutreten seien hier kontraproduktiv, so der Kommandeur und verschärften die weiterhin schon angespannte Sicherheitslage. Deutschland habe mittlerweile einen großen Beitrag geleistet auch durch eine deutliche Aufstockung des jährlich wachsenden Verteidigungshaushalts bis auf geplant rund 153 Milliarden in 2029. Auch die Bundeswehr soll einen weiteren Aufwuchs auf geplant 260.000 Soldatinnen und Soldaten und 200.00 Reservisten bis 2035 erfahren. Dies sei auch für die Regener Kaserne eine hohe Herausforderung, da man neben Landes- und Bündnisverteidigung auch einen großen Schwerpunkt auf die originäre Grundausbildung neuer Soldatinnen und Soldaten setzen muss. Deutschland habe sich mittlerweile als Dreh- und Angelpunkt für die Nato entwickelt und nehme eine ganz andere Rolle als in früheren Jahren ein.
Der Zivilschutz ist für die Kreise und Städte ein immenser Kostenfaktor, so der Kommandeur. Die Resilienz in der Landes und Bündnisverteidigung müsse weiter gestärkt werden und es müsse noch mehr Bewusstsein in der Bevölkerung dafür geschaffen werden. Einen konkreten Ansatzpunkt hierbei sieht Herr Papendorf speziell im Bildungssegment. „Sicherheitspolitisches Denken kommt in der Bildungspolitik aktuell noch deutlich zu kurz“, so der Kommandeur. Speziell im schulischen Unterricht müsse diese Thematik noch viel stärker aufgegriffen und ins Bewusstsein gerückt werden. Herr Papendorf verwies auf Artikel 87 a Grundgesetz. Dort sei verankert, dass der Bund Streitkräfte für den Verteidigungsfall zur Verfügung stelle und Streitkräfte außer zur Verteidigung nur eingesetzt werden dürfen, soweit das Grundgesetz dies ausdrücklich zulasse. „ 2025 gab es das 70- jährige Jubiläum unseres tollen Grundgesetzes und nur die Wenigsten haben das mitbekommen“ merkte der Kommandeur kritisch an. Er appellierte, man solle sich mit den Grundwerten unserer Demokratie noch viel mehr auseinandersetzen und darauf besinnen und vertrauen, was unsere gemeinsamen Werte und Normen in einer sich aus den Angeln hebenden Welt eigentlich wert sind. Man solle sich darauf besinnen und jeden Tag dankbar sein, dass wir in einer Demokratie leben können. Die Bundeswehr leiste hierfür einen erheblichen und starken Beitrag, dass diese Werte auch zukünftig noch die Basis unseres Zusammenlebens darstellen. Unter Verteidigung verstehe man die Differenzierung in militärische und zivile Verteidigung. Zur zivilen Verteidigung gehöre die Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktionen sowie der originäre Zivilschutz, Versorgung der Bevölkerung und Unterstützung der Streitkräfte. Die Gesamtverteidigung bezeichnet ein umfassendes Verteidigungskonzept, das sowohl militärische als auch zivile Maßnahmen integriert, um die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit eines Staates gegen vielfältige Bedrohungen zu gewährleisten. Dabei werden nicht nur die klassischen Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung durch die Streitkräfte berücksichtigt, und Katastrophenschutz, von Gesellschaft die Aufrechterhaltung und Wirtschaft sondern auch kritischer Infrastrukturen sowie die Resilienz von Gesellschaft und Wirtschaft. Die Gesamtverteidigung bedarf hier der Anstrengung aller Akteure.